Rumpelstilzchens Erinnerungen

……oder, wie alles begann,

…und was daraus geworden ist.

Es begann 1983 mit einer Elterninitiative. Diese wollte für ihre Kinder, damals 5 Jungen und 1 Mädchen im Alter von ein bis zwei Jahren, den frühen sozialen Umgang miteinander ermöglichen. Die Kinder sollten in einer kleinen überschaubaren Gruppe betreut werden, nicht nur zu den üblichen Kindergartenzeiten (damals von 8-12.00 Uhr), sondern von 8.00 -13.00 Uhr. Im Reihenhaus einer Familie wurde der Hobbyraum zum Spielraum umgestaltet und das umliegende Gelände mit Spielplatz, Wald und Garten für die Kinder miteinbezogen.

Da die Kinder zu Hause hauptsächlich von ihren Müttern betreut waren, wurde ein männlicher Erzieher gesucht und gefunden, der die Betreuung übernahm. Es entstand in gemeinsamer Arbeit eine reformpädagogische Kindergruppe, die auf Wunsch der Eltern zu einer Kindergarteninitiative ausgebaut werden sollte. Somit blieben die Diskussionen nicht aus, welches pädagogische Konzept dieser Kindergarten verfolgen und vertreten sollte. Die Kinder waren inzwischen in Räumen der alten Gehörlosenschule untergebracht. Es wurden neben den ausführlichsten Diskussionen über mögliche pädagogische Zielvorstellungen auch Seminare zur Waldorfpädagogik besucht. Doch die Eltern fanden sich nicht gemeinsam mit den Inhalten dieser Einrichtungen zurecht. Das führte zu einer Trennung der bis dahin bestehenden Elterngemeinschaft. Die, die gerne einen Waldorfkindergarten für ihre Kinder wünschten, wichen nach Bammental aus und gründeten dort einen eigenen Waldorfkindergarten, der ebenfalls bis heute existiert. Die anderen Eltern versuchten in Neckargemünd Fuß zu fassen, und strebten einen freien Kindergarten an, der sowohl waldorfpädagogische wie reformpädagogische Ideen verwirklichen sollte und auch von antiautoritären Ideen der Kinderladeninitiativen der Studentenbewegung geprägt war.

Um ein Kindergarten zu werden, mußten weitere Familien gesucht werden. Diese interessierten sich hauptsächlich aus folgenden Beweggründen für diese Elterninitiative:

  • Sie hatten keine Aussicht auf einen Kindergartenplatz ( viele Kinder bekamen erst mit 4 Jahren einen Platz in den öffentlichen Einrichtungen)
  • Aus Unzufriedenheit mit den pädagogischen Konzeptionen der vorhandenen Einrichtungen
  • Betreuungszeiten der Initiative waren für damalige Zeit außergewöhnlich lang (8-13.00 Uhr), wodurch beide Elternteile ihrer Berufstätigkeit nachgehen konnten.
  • Die Kindergruppe war klein und überschaubar
  • Die Eltern hatten pädagogische Mitsprachemöglichkeiten
  • Die Eltern fanden Kontakte zu Eltern, die ähnliche pädagogische Vorstellungen von der Erziehung ihrer Kinder hatten

Inzwischen schrieb man das Jahr 198H, und die Gehörlosenschule sollte abgerissen werden. Die Eltern mussten sich nach neuen geeigneten Räumlichkeiten umsehen. Die Suche gestaltete sich äußerst schwierig, da die Skepsis gegenüber einer Elterninitiative bei vielen Mitbürgern überwog. Dennoch gelang es, in einem privaten Haus am Mühlrain eine Wohnung zu finden. Neben den geeigneten Räumlichkeiten stand hier den Kindern auch noch ein großer Garten zur Verfügung. Die Kinder sollten im Frühjahr 1985 einziehen, was den Eltern einen außerordentlich hohen Einsatz an Eigenleistungen abverlangte. Die Räumlichkeiten mussten so verändert werden, dass sie den Kindern einen sicheren und geborgenen Aufenthalt ermöglichten. Neben den aufwendigen Arbeiten innerhalb dieser Wohnung (Toilettenbau, Heizungsverkleidungen, Sichern der Fenster…..), war vor allem die Arbeit im Außengelände zu bewältigen. Es war notwendig, die 100 Stufen, die zum Haus führten, mit einem Handlauf für die Kinder zu versehen. Von Hand wurde eine Spielterrasse aus dem Berg gegraben, die neben einer kleinen Rasenfläche auch noch Platz für einen romantisch gelegenen Sandkasten bot. Viele erinnern sich noch heute an die hundert Stufen, die mit Sandeimern überwunden werden mussten. Hätten die Eltern dieser Anfangszeit nicht einen persönlich guten Kontakt zueinander gepflegt, dann wäre das Projekt sicherlich an diesen Strapazen gescheitert. Zu dem großen Zeitauf wand kamen dann auch noch finanzielle Neubelastungen auf die Eltern zu. Die Umbaukosten, die neue Miete und das Gehalt für die inzwischen gefundene Erzieherin verlangten nach finanzieller Stabilität. So war es nur selbstverständlich einen Verein ins Leben zu rufen. Es musste eine Satzung erstellt werden, die sowohl den behördlichen Anforderungen entsprechen musste, als auch den pädagogischen Wünschen der Eltern genügen sollte. Spricht man einen der damals beteiligten auf diese Diskussionen an, wird immer noch deutlich, welch schwerer Weg es war, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Schließlich bewältigten die Gründereltern diese Situation und es entstand eine Satzung, die der behördlichen Prüfung standhielt. Die Abnahme der Räumlichkeiten durch den Landeswohlfahrtsverband ermöglichte die Bezuschussung des Kindergartens. So konnte er, gebunden an die finanzielle Unterstützung des Landkreises und der Stadt Neckargemünd, die lange Zeit bis heute bestehen.

Die jetzt offizielle Kindergarteninitiative „Rumpelstilzchen e.V.“ wollte einer Kindergruppe von 15 Kindern Betreuung anbieten. Da noch Kinder für die Gruppe gesucht wurden, ergaben sich Kontakte zur Spielgruppe am Kalkbrunnen, ebenfalls ein eingetragener Verein, der sich um die Betreuung von Kleinkindern (1-3 jährigen) kümmert und der damals ebenfalls in den Startlöchern in Neckargemünd steckte. von hier auswechselten fünf Kinder direkt in den Kindergarten und füllten somit die noch offenen Plätze auf. In den Räumen am Mühlrain konnte der Kindergarten bis 1995 bleiben. Dann zog man in die Joseph-Wernerstrasse um. Auch dieser Umzug war wiederum mit einem hohen Einsatz der Eltern verbunden. Auch hier mussten die Räumlichkeiten den Erfordernissen und behördlichen Auflagen angepasst werden. Da die neuen Räume erheblich kleiner waren, errichteten die Eltern einen Anbau, um den Spielraum für die Kinder zu erweitern. Wiederum wird der Kindergarten von einem Außengelände umgeben, das den Kindern sehr viel Freiheiten und Naturerfahrungen ermöglicht.

Obwohl der Kindergarten nun bereits fünfzehn Jahre besteht, ist das Interesse an ihm nicht versiegt. Es kommen immer wieder Eltern oder auch Praktikantinnen und Erzieherinnen mit großem Interesse auf diese Einrichtung zu, um sie kennen zu lernen. Es ist in diesem Zusammenhang interessant zu sehen, dass sich die pädagogischen Schwerpunkte der „Gründergeneration“ im Wesentlichen erhalten haben, trotz der im Laufe der Jahre wechselnden Erzieherinnen und Eltern. Diese sind z.B. nach wie vor:

  • Im Mittelpunkt steht das Kind in seiner ganz individuellen Entwicklung, aber auch die soziale Kompetenz, die es im Alltagsgeschehen der Kindergartengruppe erlangt.
  • Mit nicht fest konstruiertem, sondern flexibel verwendbaren Materialien lassen sich im großen Garten viele Naturerfahrungen sammeln und freie Spiele spielen.
  • Es wird nach wie vor eine Gruppe von nur 16 Kindern betreut
  • Der Kindergarten bietet ausgewähltes und begrenztes Spielmaterial an.
  • Freie Entfaltungsmöglichkeiten stehen auch im kreativen Bereich im Mittelpunkt. Das wird unterstützt durch ein möglichst großes Materialangebot, durch die geförderte und geforderte Selbständigkeit der Kinder, durch das Aufgreifen ihrer Phantasie und durch den Freiraum, ihre „Produkte“ frei zu gestalten.
  • Das Frühstück wird von den Eltern für alle Kinder mitgebracht. Der Schwerpunkt liegt immer noch au feiner vollwertigen Ernährung.
  • Es finden regelmäßige Elternabende statt. Der Austausch über pädagogische Inhalte nimmt nach wie vor großen Raum ein.
  • Der Kindergarten verwaltet sich selbst, auch wenn sich die Rolle des Vorstandes über die Jahre gefestigt hat. So werden nicht mehr ausnahmslos alle Themen an den Elternabenden ausdiskutiert, was früher viel mehr Zeit in Anspruch genommen hatte.

Natürlich haben sich auch bleibende Neuerungen entwickelt:

  • Neben der überarbeiteten Vereinssatzung liegt heute eine von der derzeitigen Erzieherin entwickelte schriftliche Konzeption vor, die die pädagogische Arbeit darstellt und verdeutlicht.
  • Mit einem schriftlichen Wochenbericht wird die Arbeit der Erzieherinnen mit den Kindern für die Eltern transparent.
  • Das tägliche gemeinsame Frühstück ist nun frei gestaltet, mit Ausnahme gemeinsamer Feste oder Geburtstage.
  • Es gibt einen wöchentlichen Ausflugstag mit ganz unterschiedlichen Zielen.

Rückblickend kann man feststellen, dass sich der Kindergarten „Rumpelstilzchen e.V.“ zu einer festen Institution in Neckargemünd entwickelt hat. Es ist gelungen, eine „Insel“ für Kinder zu schaffen, auf der sie in kleinem, überschaubarem und kindgerechtem Rahmen einen erfüllten Kindergartenalltag erleben können.

So möchten wir heute all jenen danken, die zentral an der Entstehung, der Verwirklichung und der Erhaltung des Kindergartens beteiligt waren und sind:

  • Der Stadt Neckargemünd für ihre kontinuierliche finanzielle Unterstützung.
  • Der ersten Elterngeneration, den Gründereltern
  • Der Vermieterin der ersten Kindergartenräume,der die Kinder buchstäblich auf dem Kopf herumtanzten.
  • Der Vermieterin der jetzigen Kindergartenräume.
  • Den Anwohnern der Joseph-Werner-Straße
  • Den verschiedenen Erzieherinnen und Praktikantinnen, von denen jeweils sehr viel persönlicher Einsatz verlangt wurde und wird, und ohne die der Kindergartenalltag doch so manche Krisensituation nicht bewältigt hätte.
  • Den Privatpersonen und den Eltern für Geld und Sachspenden.

Allen öffentlichen Spendern:

  • Sparkasse Neckargemünd
  • Volksbank Neckargemünd
  • Profi Markt Neckargemünd
  • Mietservice Meyer
  • Schreinerei Bernauer
  • Schlosserei Knauf

Danken wollen wir aber vor allem den Kindern und deren Eltern, die in den vielen Jahren den Kindergarten belebt und unterstützt haben, mit all ihren Ideen und ihrem persönlichen Einsatz und es auch noch heute tun.